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Wanted: Asphalt ohne Asphaltwerk

Straßen und Brückenbau auf La Palma

Obras hier, Baustellen dort.

Gott hat die Erde in sieben Tagen erschaffen. Böse Zungen behaupten, er war halt nicht auf palmerische Handwerker angewiesen. Diese werden jedoch zu unrecht verdächtigt, denn kein Winzer bringt ohne Trauben einen anständigen Wein auf den Tisch.

Das Streckennetz der Isla bonita ist von LP1 bis LP301 renovierungsbedürftig, muss erneuert, teilweise ausgebaut werden. Dazu benötigen wir Asphalt. Am besten aus eigener Produktion, und – billig soll er auch noch sein.

schaden

Hier beginnt das Problem.

La Palma hat im Süden und Westen der Insel ein Asphaltwerk. Keines dieser zwei Produktionswerke entspricht geltenden Vorgaben oder Auflagen, kann bürokratische Hürden nehmen oder panische Anwohner, die Angst um ihre Gesundheit haben, überzeugen. Man ist halt gegen Asphaltproduktion – basta.

Weiter werden Wucherpreise bemängelt. Etwa 51,– Euro kostet eine Tonne Asphalt auf unserer Nachbarinsel Teneriffa. Unser Werk in Fuencaliente möchte dafür 80,- Euro plus Transportkosten. So ist das halt bei Monopolen, ein Transport der “heißen Ware” von Teneriffa auf unsere Insel ist nicht möglich. Also muss eine ordentliche Produktionsstätte her, oder eine Alternative.

Alternativer Straßenbau, Pflaster, Teer, Beton.

Pflastersteine wären eine Möglichkeit.
pflasterDiese Bauweise ist nett anzusehen und würde sich nahtlos ins Landschaftsbild fügen. Auch Recycling wird da gleich mit verbaut, weil Einzelteile des Bodenbelages bei Demos und Straßenschlachten verwendet werden könnten.

Leider überwiegen mit langen Bauzeiten, holprigen Straßen und hohen Kosten die Nachteile. Auch Demonstrationen laufen hier friedlich ab, was Recycling als Argument aushebelt.

Teer wäre eine weitere Möglichkeit.
teerDiese dunkle, rauchende Masse wird allerdings aus Steinkohle hergestellt, gilt als hochgradig giftig und gesundheitsschädigend. In den meisten Ländern muss teerhaltiges Material als Sondermüll entsorgt werden. Teer als Straßenbelag kann also nur außerhalb realer Bedingungen am Stammtisch diskutiert werden.

Beton als Straßenbelag.
betonHergestellt aus einem Mineralsandgemisch und Zement als Bindemittel, halten Betondecken auch hoher Beanspruchung stand. Da sich Beton als arbeitendes Material bei Temperaturschwankungen stark dehnt, müssen Dehnungsfugen eingebaut, so wie mehrere Betonplatten mit kunststoffbeschichteten Dübeln versehen werden, um Wölbungen und Risse in der Fahrbahn zu vermeiden.

Ein sehr teures und zeitaufwendiges Verfahren, welches sich eigentlich nur für Autobahnen eignet. Eine solche wird auf La Palma zwar immer, wenn eine neu Stelle als leitender Dilletant ausgeschrieben ist, neu diskutiert, man sollte aber froh sein, wenn die Pläne in der Schublade bleiben.

Was bleibt ist Asphalt.

Straßenbau auf La Palma geht also nicht ohne Asphalt.
Dieser kommt allerdings nur in wenigen Ländern dieser Erde in natürlicher Form vor. Meist muss er aus Gesteinskörnung, in Form von Sand, Steinen und Bitumen (eine Verbindungen aus Kohlen- und Wasserstoff) hergestellt werden. Temperaturen zwischen 150 und 200° C sind dazu erforderlich. Durch diesen Hitze werden Dämpfe und Aerosole freigesetzt. Erst bei Temperaturen unter 80° C lassen sich bei Bitumen auch mit modernen Messmethoden keinerlei Emissionen feststellen. Wie hoch die Gefahren durch einen Asphaltbetrieb tatsächlich sind, ist umstritten. Fachleute sehen eine Emissionsbelastung bei modernen Anlagen im Reich der Fabelwesen. Anwohner befürchten eine Einschränkung ihrer Lebensqualität durch Emissionen, Geruchsbelästigung und zusätzlichen Lärm bei Zerkleinerung von Gestein.

asphaltstrasse

Um es allen Recht zu machen, muss Asphalt mit gebührendem Abstand zu Wohngebieten produziert werden. Hier haben wir das nächste Problem. Weg von menschlichen Siedlungen, bedeutet auf unserer kleinen Insel, rein in ein Naturschutzgebiet. Zwar gibt es auch mobile Asphaltwerke, die das schwarze Gold direkt an der Baustelle produzieren könnten, diese stünden dann allerdings auch wieder dicht an bewohntem Gebiet, hätten aber den Vorteil, dass bei Straßenerneuerungen abgefräster Asphaltabfall als thermoplastischer Baustoff nach einem Zerkleinerungsprozess aufbereitet und wiederverwertet kann.

Asphalt ohne Asphaltwerk gibt es nicht.

Wenn Archäologen unserer Nachfahren nicht historische Straßenruinen entdecken sollen, benötigen wir Aspahlt. Diesen gibt es nicht ohne Asphaltproduktion. Umweltschutz, Bürgerinitiativen und Inselrat für Infrastruktur müssen hier schnell und wirkungsvoll zusammenarbeiten.

Eine Entscheidung drängt.
Darf die einzig verbliebene Asphaltfirma in Fuencaliente nun doch als Monopolist weiterarbeiten? Wird ein neuer Standort gefunden oder holpern wir zukünftig über Schotterpisten? Was dabei herauskommt bleibt spannend.

Eine hübsche Alternative

Eine hübsche Alternative

Über Graja (1731 Artikel)
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