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Touristen als Wohnungsdiebe

Nachhaltiger Urlaub.

Du kannst Dir Urlaub leisten? Dann Reise, sonst tun es Deine Erben.
So in etwa denkt ein großer Teil der Bevölkerung und besucht ferne Ziele zur Entspannung. Immer mehr Menschen machen sich dabei Gedanken über nachhaltigen Urlaub. Da spricht man von CO2 Bilanz, Wasserverbrauch, Müllbelastung und Naturschutz. Ein lobenswerter Trend. Denn jeder Reisende hinterlässt einen kleinen, ökologischen Fußabdruck.

Insbesondere Massentourismus hat gravierenden Einfluss mit negativen Folgen für die Natur. Ein Grund dafür ist unsere Vergangenheit. Der Mensch ist Jäger und Sammler. Was uns gefällt wird eingesammelt.

Wie zweibeinige Hamster tragen wir unsere Beute nach Hause, um sie dann in einem Regal dem Hausstaub zu überlassen. Schlimm ist das nicht, solange die Natur durch unserer Sammelwut keinen Schaden nimmt.

Meine kleine Muschel tut doch nix.

Unsere beliebtesten Andenken von einem Urlaub am Meer sind Muscheln und Meeresschnecken. Wir sammeln sie am Strand, pflücken sie beim Schnorcheln in geringer Wassertiefe, oder ernten sie gar beim Tauchen vom Meeresgrund. Die eine Muschel macht doch nichts, denkt man sich.

Leider sind das, wenn jeder so denkt, bei 100.000 Touristen dann schon 100.000 Muscheln und Schneckenhäuser. Bei Millionen von Reisenden kann man sich den Berg an Schalentieren, die dem Ökosysthem fehlen, gar nicht mehr vorstellen. Ein massiver Eingriff in die Natur. Vernünftige Tauchschulen untersagen ihren Gästen daher generell das Sammeln von Andenken unter Wasser.

 

Muschelsammler sind Wohnungsdiebe.

Kleine Einsiedlerkrebse nutzen Schneckengehäuse und Muschelreste als Behausung. Selbst kleinere Tintenfische zwängen sich zum Schutz unter Muschelschalen.

Jedes Schneckengehäuse auf der heimischen Fensterbank ist der marinen Hausbesetzerszene für immer verloren.

Selbst vom Meer ausgespuckte Muschelschalen am Strand haben noch wichtige Aufgaben in der Natur.

Zwar hat das Sammeln von Muscheln als Schmuck bereits in der Steinzeit begonnen, Schneckengehäuse wurden sogar als Zahlungsmittel eingesetzt, doch mit etwas gesundem Menschenverstand findet man sicher sinnvolle Alternativen zur Muschel, die an einen schönen Urlaub am Meer erinnern.

 

Gefahr durch Sammelleidenschaft.

Wunderschöne Kegelschnecken sind beliebtes Sammelobjekt.
Tagsüber verbergen sie sich im Schlamm- oder Sandboden auch nahe der Strände. Ein flüchtiger Blick genügt nicht, um festzustellen, ob das Gehäuse leer oder bewohnt ist.

Wehrlos ist die Schnecke nicht. Ihr Nervengift ist auch für Menschen gefährlich.

Pfeilschnell schießt sie ihre Harpune mit Giftdrüse (sie reicht rund um das gesamte Gehäuse) in die Beute.

Schon viele Sammler erlebten so eine böse Überraschung.

 

Gefahren lauern auch beim Zoll.

Damit Ihnen Ihr Urlaub in schöner Erinnerung bleibt, sollten Sie sich bereits rechtzeitig vor Reiseantritt gezielt über möglicherweise verbotene Souvenirs informieren, denn viele Muschelarten (wie z.B. Die Riesenmuschel) und Schnecken (wie die Fechterschnecke) sind streng geschützt, deren Einfuhr verboten und unter Strafe gestellt.

Diese Verbote gelten nicht nur für lebende Tiere. Auch Teile davon oder als Schmuck verarbeitet, fallen diese Souvenirs unter den Artenschutz.

Eines der beliebtesten Sammelobjekte ist die Pinna nobilis. Eine Steckmuschel die sich schon beim Schnorcheln in geringen Wassertiefen von 2 bis 3 Meter Tiefe findet. Auch diese Muschel ist, obwohl sie über 25 Jahre alt werden kann, bedroht und geschützt.

 

Reiseandenken als Schmuggelware.

Finger weg! Wenn sie ihrem Bücherregal oder Badezimmer einen maritimen Hauch geben möchten, geht das auch ohne tote Meerestiere.

Drachenkopf macht es sich in der Muschelschale gemütlich

Wer es nicht lassen kann, sollte sich beim Zoll und dem Bundesamt für Naturschutz bereits vor dem Urlaub Informieren. Dort gibt es eine Artenschutzdatenbank mit Recherchemöglichkeiten, um herauszufinden, welche Korallen, Muscheln und Schneckenschalen nicht importiert werden dürfen.

Besser – lassen Sie diese erstaunlichen Geschöpfe wo sie hingehören, in Neptuns Reich auf dem Grund des Meeres.

Über Graja (1754 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: http://la-palma-nachrichten.kanaren-urlaub.org/autoren-impressum/

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