News Ticker

Tazacorte bettelt um Schiffe

Wo bleiben nur die Kreuzfahrer?

Es mag ein Anflug von Größenwahn, oder ein weiter Blick in die Zukunft gewesen sein, als man sich in Tazacorte für einen überdimensionierten, aber dennoch zu kleinen Hafenausbau entschied. Egal, öffentliche Gelder und reichlich Subventionen sei dank, der Hafen steht. Nur Schiffe gibt es keine, was die Mole zum Schildbürgerstreich degradiert.

Nun sucht man dringend einen Verwendungszweck, träumt von Kreuzfahrtschiffen, die unsere Wirtschaft auf der Westseite kräftig ankurbeln. Tausende Touristen, so das geistige Zukunftsauge der Aridane Gemeinden, sollen Tazacorte stürmen, Geschäfte plündern und Lokale beleben.

SchiffVon selbst kommen die aber nicht. Da muss schon die Regierung ran, weil die kurz- und mittelfristige soziale Lage der Insel dringend eine Veränderung braucht. Sagt man, und bemüht den stellvertretenden Minister für Infrastruktur.

Er soll Maßnahmen treffen, die Handel und Konsum im Aridanetal fördern. Am besten mit Ozeanriesen, damit zahlungskräftige Neuankömlinge ihre Dineros auf der Westseite lassen. Dazu ist der große Hafen aber zu klein. Erkannt hat man dies bereits und bittet darum, dass wenigstens ein paar kleine Kreuzfahrtschiffe den Hafen in Tazacorte anlaufen.

Wenn Träume zerplatzen.

Weshalb sollten Kreuzfahrtschiffe ihren Anker auf der Westseite werfen?
Bei einem Preis von rund 130 Dollar je Tonne Bunkeröl, wie das Schweröl in Hafensprache genannt wird, spielen Seemeilen eine große Rolle. Auf der Kanarenroute müssten Kreuzfahrtschiffe die halbe Insel umrunden, um in Tazacorte anzulegen. Insgesamt, mit Hin- und Rückweg, ein Seetag mehr. Bei einem ca. Verbrauch von 90 Tonnen Bunkeröl pro Tag (AidaCara), hätte die Reederei Mehrkosten von knapp 12.000 Euronen. Ältere Kisten wie der Transatlantikliner “Norway” bringen es sogar auf bis zu 800 Tonnen je Seetag. Was sich in 24.000 Euro an Mehrkosten umrechnen lässt.

Längere Fahrzeiten bedeuten einen kürzeren Aufenthalt.
Landgänge, Ausflüge ins Landesinnere und sportliche Veranstaltungen wären dadurch stark begrenzt. Genau diese Aktivitäten sind für Kreuzfahrtunternehmen aber eine wichtige Einnahmequelle, die eine Kostenkalkulation querfinanzieren.

Der Hafen unserer Hauptstadt

Ein Vergleich zwischen Tazacorte und Santa Cruz de La Palma.
Hier sollten sich Verantwortliche, ohne durch die Patriotenbrille zu blicken, Fragen, was hat die Gemeinde Tazacorte der Hauptstadt in Sachen Kultur und Sehenswürdigkeiten entgegenzusetzen. Alleine an dieser Frage zerplatzen Träume.

Tazacorte ein Hafen für Ozeanriesen?

Man könnte zwar sagen, “jeder kann über Wasser gehen, entscheidend ist nur die Aussentemperatur”, aber der Traum von Kreuzfahrtschiffen wandelt sich für Tazacorte zum Albtraum.

TazacorteGemeinde und Hafenbetreiber sollten sich Wassersport und Bootsausflüge auf die Diskette kopieren, (Für die jüngeren Leser: Das war einmal ein Datenträger mit beachtlichem Fassungsvermögen von 1,2 MB), denn dort liegt die Zukunft dieses schönen Hafens. Vielleicht legen dann in fernen Zeiten auch Blauwasserseegler vor ihrer Transatlantiktour in Tazacorte an.

Auch das könnte sie interessieren:
Kreuzfahrtschiffe im Hafen Teil 1 bis 4

Über Graja (1680 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: http://la-palma-nachrichten.kanaren-urlaub.org/autoren-impressum/

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*