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Schnelle Rettung fehlgeschlagen

Luftrettung auf den Kanaren

Als kurz nach 13 Uhr das Notfalltelefon der “CECOPIN” (Centro de Coordinación Operativa Insular) klingelt, kämpft der 30 jährige Wanderer bereits ums nackte Überleben. Kurz vorher war er auf rutschigen Lavasteinen an der rauen, palmerischen Küste abgeschmiert und in den Atlantik gestürzt. Wilde See und Strömung geben ihm keine Möglichkeit an Land zu kommen.

Schon nach wenigen Minuten ist ein Rettungshubschrauber vor Ort, dennoch erscheint die Zeit endlos bis Hilfe naht. Mit letzter Kraft hält sich das Opfer über Wasser, sieht den Helicopter über sich kreisen und hofft auf Rettung. Diese ist auch bereits unterwegs, weil die Hubschrauberbesatzung gleich nach dem sie den Verunglückten ausfindig machte, ein Rettungsboot des Salvamento del Mar verständigte.
Der Pilot sieht das Rettungsschiff kommen, sein hilfloser Blick fällt auf Meer und Welle.
In diesem Moment versinkt der Wanderer und ertrinkt.

Salvamento Maritimo

Eine Horrorgeschichte, die sich so (noch) nicht abgespielt hat.
Es ist lediglich ein Szenario, dass sich ein Helicopterpilot der GES ausdachte, um mir zu verdeutlichen, wie wichtig Seilwinde und Kran in einem Rettungshubschrauber sind. Ohne diese Utensilien kann in vielen Fällen eine schnelle Rettung nicht erfolgen, so der erfahrene Pilot weiter. Die Argumente lassen keinen Widerspruch zu, denn er weis, von was er spricht. Hat er doch mit seiner Besatzung im Laufe der Zeit bereits dutzende von Menschenleben auf La Palma und weiteren Inseln gerettet.

Hintergrund der Geschichte:

Mit der „Eural-Hispánica de Aviación“ hat eine neue Firma die Luftrettung auf den Kanaren übernommen. Die bringen nicht nur eigenes Personal, sondern eigene Maschinen mit. Und weil man dort der Meinung ist, dass Rettungsaktionen ohne Seilwinde schneller und sicherer seien, haben bereits drei von fünf Rettungshubschrauber auf den Kanaren keinen Kran mehr an Bord, obwohl dieser in einer offiziellen Ausschreibung gefordert war.

Helicopter retten Menschenleben auf La Palma

Anstelle der schwarz-roten Bell fliegen nun gelb bemalte, polnische Mehrzweckhubschrauber “PZL W-3 Sokół” die Einsätze der „GES“ (Grupo de Emergencias y Salvamento). Erfahrene Teams haben die auch, nur halt ohne Kran und Seilwinde.

Das mag Sinn machen, – auf einer Insel wie Fuerteventura.
In zerklüfteten, schwer zugänglichen Gebieten wie La Gomera oder La Palma, ist das Rettungsteam seiner Waffen beraubt. Enge Barrancos lassen eine Landung oft nicht zu. Im Ergebnis müssen Notarzt samt Helfer weit entfernt abgesetzt werden und zu Fuß den Verunfallten suchen.

Schnelle Rettung aus der Luft ist Vergangenheit
Es geht also um mehr als Kompetenzgerangel oder Arbeitsplätze denn Luftrettung wird eingesetzt, wenn bodengebundene Rettungsdienste den Ort nur schwer, oder mit starker Verzögerung erreichen können. Bleiben tatsächlich Helicopter ohne Kräne im Einsatz, könnte es tatsächlich bald die Meldung geben „Schnelle Rettung fehlgeschlagen“.

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Über Graja (1703 Artikel)
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