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Mysterium im Atlantik

Geister und Legenden beherrschen den Volksmund.

Berge, tiefe Schluchten, dichter Nebel. Stoffe aus denen mystische Legenden um Feuer, Wasser und Vulkane entstehen. Nur wenig ist über die Altkanarier bekannt, weil spanische Eroberer fast alle Spuren frühzeitlicher Entwicklung der Benahoaritas und Guanchen auslöschten. Erst vor 250 Jahren wurden deren spiralförmige Felszeichnungen wieder entdeckt. Petroglyphen, die man allerdings bis heute nicht lesen kann.

Geblieben sind alte Riten voller Aberglaube.
Erzählt von den Alten, haben Phantasiegebilde und Legenden von Generation zu Generation bis heute überlebt.

Man sagt, jede Legende hat einen wahren Kern.

 

Einige der schönsten Geschichten um die Isla bonita möchten wir in der Serie “Mysterium im Atlantik” erzählen.

In Teil I.

 

Die Legende des Hirtensprung

Der Hirtensprung, „Salto del Pastor“ ist auf den Kanaren eine uralte Technik zur Überwindung tiefer Schluchten und steiler Abstiege. Noch heute beherrschen viele Hirten auf La Palma, La Gomera oder El Hiero, den wagemutigen Sprung mit der 3 Meter langen Lanze. Eine Tradition, die man auch in Vereinen als Sport betreibt.

Die Kunst des Lanzensprung stammt aus La Galga im Gemeindegebiet Puntallana auf der Ostseite von La Palma. So die Legende. Dort befindet sich der gleichnamige Felsen „El Salto del Pastor“ Eine Felswand mit tiefem Abgrund zum Atlantischen Ozean.

Man sagt, sie ist so Steil, dass nicht einmal Möwen dort nisten können.

 

Denkmal fĂĽr den Lanzensprung

 

Hier, hoch oben in beängstigender Stille, die nur vom Widerhall der Atlantikwellen und singendem Wind unterbrochen wird, beginnt die Geschichte des „Salto del Pastor“.

 

In dieser kargen Weidelandschaft, wo lediglich einige Kakteen gedeihen, lebte eine wunderschöne Jungfrau. Eines Tages traf ein junger Ziegenhirte mit seiner Herde auf das Mädchen. Geblendet von ihrer Schönheit, so heißt es, verliebte er sich augenblicklich und begann um sie zu werben.

Sie aber wollte einen Beweis seiner Liebe und verlange eine Mutprobe.

Dreimal solle er seine Lanze in den Fels rammen und über den Abgrund schwingen, so die Forderung. Erst dann würde sie ihm treue schwören und ihn zum Mann nehmen.

Von Liebe geblendet und mit brennendem Herzen willigte der Hirte ein.

Noch einmal wanderte sein Blick gegen Norden, wo in der Ferne die weisen Häuser des Ortes San Andres in der Sonne leuchteten. Noch einmal wanderte sein Blick gegen Süden, wo die riesige Felsmauer an die Schlucht Nogales grenzt. Dann rammte er die Lanzenspitze in den harten Fels und sprang.

Sein Körper beschrieb einen Halbkreis über der Schlucht, dann landete er sicher mit beiden Füßen auf dem Klippenrand. „Im Namen der Heiligen Jungfrau“ rufend, landete er ein zweites Mal auf dem Fels.

Doch die Bauerntochter verlange einen dritten Sprung.
Die Erfüllung seiner Liebe vor Augen, fasste der Jüngling zum letzten mal mit beiden Händen seine Lanze und rammte die Spitze zum Sprung in den Fels. Noch in der Luft schwebend, brach seine Lanze und sein Todesschrei vereinte sich mit dem Aufschrei seiner Geliebten als er hinunter in die tosenden Wellen strürzte.

 

Der Hirtensprung von La Palma

Seither nennt man den Hirtensprung auch „Salto de Enamorado“ Sprung der Verliebten.

Noch heute soll der Abdruck an der die Lanzenspitze auf den Fels traf zu sehen sein und man sagt, in frühen Abendstunden kann man hören, wie der Wind die Schreie der Verliebten auf die Felswand trägt.

 


 

Teil I. Mysterium im Atlantik – “Die Legende des Hirtensprungs”
Teil II. Mysterium im Atlantik – “San Borondon, die mystische Insel”
Teil III. Mysterium im Atlantik – “Tagoror und die Fuente Santa”

 


 

 

Über Graja (1753 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: http://la-palma-nachrichten.kanaren-urlaub.org/autoren-impressum/

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