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La Palma von der Außenwelt abgeschnitten

Online Versand zu den Kanaren

Europäischer Versandhandel klammert die Kanaren aus

Geiz ist …sie wissen schon, man bestellt im Internet, weil vieles preiswerter ist. Hinzu kommt, dass nicht alles, was ein Insulanerherz begehrt, auf einer kleinen Insel verfügbar ist. Ob Werbefleyer, diverse Ersatzteile, oder die begehrte Wunschkamera, im “world wide web” finden Sie es, auf La Palma nicht. Wer spezielle Vorstellungen hat, benötigt Organisationstalent oder Reiselust, denn auf den beiden Hauptinseln Teneriffa und Gran Canaria ist Angebot und Auswahl größer.

Funktioniert dies nicht, geht der Hilferuf an Google.
Schnell sind Anbieter in der ganzen Welt gefunden. Vertrieb per online Shop hat Konjunktur, Lieferanten unterbieten sich zum Wohle der Besteller und verschicken, so ihre Werbung, weltweit zu günstigen Preisen. Oft sogar ohne Aufpreis in EU Länder.

Häufige Ausnahme, die Kanaren.

Schaut man sich Versand- und Lieferbedingungen vieler online Shops an, stößt der geneigte Leser immer häufiger auf diesen Hinweis: “Wir liefern europaweit, auch nach Spanien. Ausgenommen sind die Kanaren, Ceuta und Melilla.” Einige große Verkaufsportale haben jedoch Ableger auf das spanische Festland verpflanzt. Gut, dann bestellen wir halt beim spanischen Bruder – könnte man denken. Doch auch bei spanischen online Shops liest man häufig:

“Suministra actualmente a España excepto a Gibraltar, las Islas Canarias, las Islas Baleares y Ceuta y Melilla.”

Versand also innerhalb Spaniens, ausgenommen Gibraltar, Kanarische Inseln, Balearen, Ceuta und Melilla.

Weshalb diese Ausgrenzung?

Fragt man bei Shopbetreibern nach, beherrschen drei Antworten die Argumentation. Der steuerliche Aufwand ist zu groß, es gibt häufig Zollprobleme und der, manchmal unzuverlässige, Postweg dauert zu lange.

Handelshemmnisse innerhalb der EU, sogar innerhalb spanischer Regionen?
Auch wenn die Kanaren geologisch zu Afrika gehören, sind die Inseln Teil der EU und zählen zum spanischen Staatsgebiet. Gibt es hier tatsächlich Hemnisse, oder scheuen Versandhändler lediglich einen erhöhten Arbeitsaufwand?

Tatsächlich gibt es territoriale Besonderheiten bei umsatzsteuerlicher und zollrechtlicher Behandlung im EU-Binnenmarkt. Zum einen sind da Überseegebiete von Mitgliedstaaten, die der EU, aber nicht der Zollunion angehören. Dazu zählen zum Beispiel die spanischen Exklaven Ceuta und Melilla an der marokkanischen Mittelmeerküste. Sie nehmen nicht am Binnenmarkt teil und zählen auch nicht zum Zollgebiet der EU.

Zum anderen gibt es Überseegebiete wie die Kanaren, die vollständig im spanischen Staatsgefüge eingebunden sind und gegenüber der EU keine Sonderrolle einnehmen, also den gleichen Status wie auch andere Regionen auf dem europäischen Festland inne haben.

Der feine Unterschied

Zollrechtlich zählen Ceuta und Melilla als Drittlandsgebiet, die Kanaren aber als Gemeinschaftsgebiet. Probleme beim Zoll sollte es bei der Einfuhr von Waren, sofern eine Zollerklärung korrekt ausgefüllt ist, nicht geben. Differenzierter sieht es da bei einer Umsatzsteuer- und verbrauchsteuerrechtlichen Behandlung aus. Hier sind die Kanaren Drittlandsgebiet, gehören also nach Artikel 6 in Bezug auf die MwSt nicht zum Gebiet der Gemeinschaft. (Details zur Mehrwertsteuerrichtlinie).

Bei Warenlieferungen muß also für zollrechtliche und umsatzsteuerliche Zuordnung gegebenenfalls eine spezielle Nachweispflicht beachtet werden, weil es auf den Kanarischen Inseln keine MwSt gibt. An deren Stelle steht mit der IGIC (Impuesto General Indirecto de Canarias) eine lokale Steuer, mit unterschiedlichen Sätzen, auf den Verbrauch.

Die steuerliche Sonderregelung der “Zona Especial Canaria” existiert seit dem Jahr 2000, um wirtschaftliche und soziale Entwicklung des Archipels zu fördern. Von der Europäischen Union wurde der Sonderstatus einer deutlich niedrigeren Inselsteuer, (auch die Körperschaftsteuer beträgt nur 4 Prozent gegenüber 30% auf dem Festland) im Januar 2007 noch einmal bis zum Jahr 2019 verlängert.

Mehraufwand für online Shop Betreiber

Für Versandhändler kann das alles, wenn sie nicht alle Einzelheiten kennen, durchaus problematisch werden. Sie müssen neben üblicher Frachtpapiere, Angaben zur Zollinhaltserklärung, CN23, machen, eine 6 stellige Zolltarifnummer nach dem harmonisierten System der Bezeichnung und Codierung der Ware“ der Weltzollorganisation vergeben und haben erhöhte Versandkosten im Postweg. Eventuell sogar zweimal, weil meist eine kostenlose Rücknahme der Ware, zum Beispiel bei nicht gefallen, in ihren Geschäftsbedingungen vorgesehen ist.

Hinzu kommen lange Lieferzeiten, weil der Postweg länger und Zollprüfungen eine Auslieferung weiter verzögern. Nicht selten kommt Post nicht oder verspätet an, manchmal auch beim falschen Empfänger. Schon der kleinste Fehler kann zur Rücksendung, oder einer längeren Zollabwicklung führen. Verwunderlich ist es also nicht, wenn eine steigende Zahl der online Händler auf das Geschäft mit Bewohnern der Kanaren verzichtet.

Was bleibt dem Verbraucher?

Schickt der Händler den Artikel nicht auf die Insel, bleit der Versand an eine deutsche Kontaktadresse. Der weitere Versand auf die Kanaren muss dann gesondert organisiert und auch extra bezahlt werden. Manchmal ist dies die beste Lösung. Man sollte aber daran denken, das Zoll- und Steuerregeln zum Teil auch auf privaten Versand zutreffen.

Als Alternative bleibt nur langes Suchen nach dem richtigen online Shop. Es gibt durchaus etablierte, meist große Versandhäuser die mit der Abwicklung vertraut sind und auch auf die Kanaren liefern.

Über Graja (1753 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: http://la-palma-nachrichten.kanaren-urlaub.org/autoren-impressum/

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