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Knast mit Siesta und Meerblick

Knast mit Aussicht

Strafvollzug auf einer Insel.


Rund 50.000 Häftlinge sitzen in spanischen Gefängnissen ihre Strafe ab und Justizvollzugsanstalten kämpfen mit einer Überbelegung von 175 Prozent. Auch kanarische Gefängnisse quellen über.

Zur Zeit befinden sich etwas weniger als viertausend Gefängnisinsassen in Haft. Das sind bezogen auf die Gesamtbevölkerung 13% mehr als im spanischen Durchschnitt. Ausländische Insassen sollen dabei mit 20% bei Männern und plus 35% bei Frauen vertreten sein.

Gefängnis auf La Palma.

Mitten im Stadtzentrum der Hauptstadt, nur wenige Minuten vom Hafen entfernt, wurde das “Cárcel” im Jahr 1960 erbaut. Ein schönes Gebäude, mit Holzbalkonen und dekorativem Eingang, der so gar nicht an ein Gefängnis erinnert.

Eingang zum Zentralgefängnis in Santa Cruz de La Palma

„Glücklich darf sich schätzen, wer seine Strafe auf La Palma absitzen darf“. So jedenfalls sieht es die Zeitung “El Confidencial” und bezeichnet den Knast in Santa Cruz als “Oase für illustre Gefangene”. Man könnte es auch Knast mit Siesta und Meerblick nennen.

Auf 3.200 Quadratmetern sitzen im “cárcel de Santa Cruz” gerade einmal 60 Personen ihre Strafe für Drogenhandel, Sexualdelikte Raub und Ähnliches ab. Allerdings hat unser Gefängnis nur 12 Zellen und drei große Räume. Da sind dann schon Etagenbetten und wenig Privatsphäre angesagt.

Dafür gibt es eine Bibliothek, Fernsehzimmer, Fitnessraum und sogar eine Werkstatt, in der Gefangene bestimmte Berufe erlernen können. Auch Freigänge im Innenhof mit sonniger Terrasse sind bei durchschnittlichen Temperaturen von 20 Grad recht angenehm.

Justizvollzugsanstallt auf den Kanaren

Disziplin und Respekt.

Wo Häftlinge zusammengepfercht oder schlecht behandelt werden, wächst die Aggressivität. Nicht so auf La Palma. Hier begegnen sich Gefangene wie Wärter mit Respekt, denn wer sich daneben benimmt, muss mit einer Verlegung rechnen. Was natürlich keiner möchte. Deshalb gibt es im Gefängnis von La Palma keine gravierenden Vorfälle oder Konflikte. “Bis zu einem gewissen Ausmaß sind wir eine Familie”, soll einer der 40 Vollzugsbeamten geäußert haben. “Wenn Disziplin und Verhaltensstandards eingehalten werden, ist das cárcel de Santa Cruz eine freundliche Umgebung”

Rechte der Insassen.

Im spanischen Strafvollzug haben Gefangene generelle Rechte, die nicht entzogen werden können. Dazu gehört das Recht auf den eigenen Namen. Nicknamen, die diskriminieren sind verboten. Auch das Recht auf Unversehrtheit und Gesundheit gehört dazu. Physische oder psychische Misshandlung der Gefangenen ist deshalb ebenfalls verboten.

Generell dürfen inhaftierte auch alle bürgerliche, politische, soziale, wirtschaftliche und kulturelle Rechte auszuüben, sofern dies ein Richter in seinem Urteil nicht einschränkt. Rechte sind deshalb vom Grad der Verurteilung abhängig. Davon gibt es 3. Stufen.

Grad I der Verurteilung.
Bei dieser Stufe handelt es sich um Gefangene, die sehr gefährlich sind, nicht mit anderen Insassen zusammen sein dürfen, oder nicht wieder aus dem Gefängnis kommen dürfen. Solche Verbrecher sitzen auf La Palma nicht, oder nur Vorübergehend ein.

Grad II der Verurteilung
Diese Stufe gilt als Standard und betrifft die meisten Übeltäter. Wer sich über einen längeren Zeitraum von einigen Jahren gut verhält, kann die Erlaubnis erhalten, das Gefängnis für maximal 8 Stunden zu verlassen. Dabei wird der Gefangene die ganze Zeit von einem Polizeibeamten überwacht.

Grad III der Verurteilung
Die dritte Stufe ist fast ein normales Leben, aber sehr schwer zu erreichen, weil Gefangenen dazu viele psychologische Anforderungen erfüllen müssen, auch Genehmigungen von Justizvollzugsanstalt und Richter erforderlich sind. Denn die Stufe 3 ist offener Vollzug. Gefangene können hier einer täglichen Arbeit nachgehen, Geld verdienen und nur noch zum schlafen in den Knast wandern.

Lage des Prison in der Hauptstadt

Das Gefängnis von Santa Cruz de La Palma

Wer es von Innen kennt, mag das Prison als eines der angenehmsten Gefängnisse des Landes bezeichnen. Dennoch bleibt es ein schönes Gebäude dass man nur von Außen sehen muss und möchte. Auch der Meerblick mit all seinen Sehnsüchten kann eine Form der Folter sein.

Über Graja (1700 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: http://la-palma-nachrichten.kanaren-urlaub.org/autoren-impressum/

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