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Fluch und Segen einer Wetterlage

Sonnenaufgang bei Calima

Blutrote Sonnenuntergänge, farbenprächtige Sonnenaufgänge, oft Folgen des “bruma seca” (trockener Nebel). So nennt man hier die bekannteste Wetterlage der Kanaren, den Calima.

Stabile Nordostwinde sichern den Kanarischen Inseln ein gleichbleibendes Klima von durchschnittlich 20 bis 25 Grad und schützen uns, trotz Nähe zu Afrika, vor extremer Hitze aus der Sahara. Wird diese Stabilität unterbrochen, besucht uns heißer Wind aus der Sahara. Mit im Gepäck, viel Sand und Probleme.

Ein Calima wird geboren

Calima kann plötzlich, quasi über Nacht kommen. Böse Zungen behaupten, dass Beduinen die Schuld tragen, weil sie mehrmals im Jahr zeitgleich ihre Zelte fegen. Vorboten einer Calima-Entwicklung sind jedoch unterschiedliche Temperaturen.

Über 50 Grad heiß kann es in der Sahara zeitweise werden. Nähert sich in Zeiten dieser Höchsttemperaturen eine Kaltfront vom Mittelmeer, manchmal auch vom Atlantik, prallen zwei Extreme aufeinander. Wind entsteht, viel Wind, der sich in Verbindung mit Wüstensand zu einem Sandsturm entwickelt. Meist passiert so etwas im Spätsommer, ist aber das ganze Jahr hindurch möglich.

Tonnen von Wüstensand werden dabei in den Himmel gesogen und kilometweit in die Atmosphäre transportiert. Grober Sand und größere Teilchen fallen wieder herunter. Feiner Staub verbleibt in der Atmosphäre und wird von Luftströmungen weit über den Atlantik getragen. Saharastaub findet sich so auch in entfernten Gebieten bis hin zum brasilianischen Regenwald. Selbst an der Ostküste der USA, im Gold von Mexiko oder der Karibik finden wir Saharasand. Besonders betroffen sind jedoch, durch die kurze Distanz, die Inselgruppen der Kanaren und Kapverden.

Wüstenwind auf dem Weg zu den Kanaren

Wüstenwind auf dem Weg zu den Kanaren

Calima auf den Kanaren

Von Fuerteventura als dem afrikanischen Kontinet am nächsten gelegene, bis La Palma der westlichsten Insel der Kanaren, ist der Calima unbeliebt und gefürchtet. Er treibt heiße und extrem trockene Luft mit Sandstaub, in der Regel aus östlicher, südöstlicher Richtung über die Inseln.

Gelblicher bis brauner Sandstaub beeinträchtigt die Sicht. Fernsicht kann bis auf wenige Meter reduziert sein. Feiner Sand dringt durch jede Fenster oder Türritze, regnet als Ockerschleim auf Mensch, Tier und Fahrzeuge. Pflanzen werden geschädigt, Menschen klagen über Atembeschwerden durch gereizte Atemwege und Kopfschmerzen.

Mit dem Wüstenstaub kommt auch die Hitze

Bei Calima-Lage sind Temperaturen von 40 bis 45 Grad keine Seltenheit. Abkühlung gibt es auch in den Bergen nicht. Oft ist es bei Calima in höheren Lagen noch heißer als auf Meereshöhe.

HitzeGewöhnung an Hitze ist zwar möglich, aber individuell unterschiedlich. Auch Faktoren wie alter und Gesundheitszustand spielen eine Rolle. Ein Mitteleuropäer benötigt etwa zehn Tage um seinen Körper auf große Hitze einzustellen. Oft ist der Calima dann schon durch. Wird die Hitze zu stark, erhöht sich die Körperkerntemperatur, Blutgefäße erweitern und der Blutdruck fällt. Diese Überhitzung des Körpers kann dann Lebensgefahr bedeuten. Eine häufige Ursache ist zu viel Bewegung bei hohen Temperaturen in Verbindung mit Flüssigkeitsverlust. Schon ab 26 Grad Celsius ist die Gefahr deutlich erhöht. Wer kann, sollte bei Calima Bewegung, vor allem in der Mittagshitze, vermeiden und für ausreichend Abkühlung und Flüssigkeit in Form von Wasser sorgen. Ein kühles Bad im Atlantik ist ebenfalls besser als Wandern in den Bergen. Meiden sollten sie auch enge Kleidung. Darunter staut sich die Wärme. Weite Kleidung aus Leinen oder Seide haben den größten Kühleffekt.

Achten sie bei starker Hitze auch auf die Ernährung.
Tierische Fette belasten den Organismus, kalte Getränke erfrischen nur kurzfristig und verführen den Körper zur Wärmeregulierung. Besser ist Wasser und Zimmerwarme Getränke wie mentolhaltiger Tee. Auch Chili führt durch Speichel und Schweißbildung zur Abkühlung.

Wind begleitet den Calima

Landwirte fürchten weniger die Hitze, schlimmer ist der gleichzeitig stark wehende Wind. Sturmähnliche Böen zerfetzen Bananenstauden und lassen in Verbindung mit große Hitze Früchte an Bäumen austrocknen.

Bananenstaude

Hinzu kommt eine steigende Waldbrandgefahr. Auch das öffentliche Leben kann zum Stillstand kommen, weil sandiger Wind das Transportwesen an Flughäfen lahmlegen kann. Davon waren die meisten Airports der Kanaren bereits betroffen.

Calima hat auch gute Seiten

Sand aus der Sahara ist mineralhaltig und stark mit Kalk angereichert. Dieser macht den Boden nicht nur auf La Palma fruchtbar. Auch der südamerikanische Regenwald und Teile der Karibik leben von afrikanischem Sahara-Sand. Selbst Ozeane werden mit diesen Nährstoffen gedüngt. In einigen Gebieten so stark, dass Algen extrem wachsen.

Calima stoppt Wirbelstürme

Geoforscher haben festgestellt, so die Quelle wetterjahr.de, dass Wüstenstaub in der Luft einen kühlenden Effekt auf den Atlantik hat, weil weniger Sonnenstrahlung bis zur Wasseroberfläche gelangt. Dadurch werden Temperaturgegensätze mit dem Ozean gedrosselt, Hurrikane gebremst und Wirbelstürme verlieren ihre Kraft. Schon bei einem Grad Temperaturunterschied durch Wüstenstaub sinkt die Wahrscheinlichkeit das Hurrikane entstehen.

Über Graja (1731 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: http://la-palma-nachrichten.kanaren-urlaub.org/autoren-impressum/

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