News Ticker

Duale Berufsausbildung auf den Kanaren

Bundesregierung unterstützt die kanarischen Inseln bei dualer Berufsausbildung.
Das Prinzip einer dualen Berufsausbildung wurde in Deutschland bereits 1897 festgeschrieben, heute feiert man es in Europa als Exportschlager. Auch auf den Kanaren soll es zukünftig Einzug halten, denn wer in der Praxis lernt, kann mehr.

Nach und nach soll das duale Berufsausbildungssystem, also praktische Ausbildung im Betrieb, und paralleler theoretischer Unterricht in der Berufsschule Fuß fassen, so Ministerpräsident Paulino Rivero nach einem Treffen mit Kultusminister Ludger Pieper. Die kanarische Regierung erhofft sich eine Verbesserung bei Weiterbildung, um die hohe Jugendarbeitslosigkeit zu bekämpfen.

Bisher beschränkt sich die spanische Berufsausbildung in der Regel auf Theorie. Dabei kennt das Berufsbildungssystem zwei Abschlussarten.

Den „Técnico de Grado Medio
Bei dieser beruflichen Erstausbildung wird der Abschluss in einer eineinhalb- bis zweijährigen Theorieausbildung an einer Berufsschule erworben. Vorgesehen sind etwa 2000 Unterrichtsstunden.

Den „Tecnico de Grado Superior“ oder „Tecnico Especialista“
Er ist eine berufliche Fort- und Weiterbildung, die ebenfalls in einer eineinhalb- bis zweijährigen Ausbildung an Berufsschulen. Der Praxisanteil von gerade einmal 25% wird in Form von Kursen in Betrieben vermittelt. Zugangsvoraussetzung ist in der Regel das Abitur („Bachillerato“) oder ein „Técnico de Grado Medio“.

Nachteil der spanischen Ausbildungsform ist ein Mangel an praktischer Erfahrung.
Der Auszubildende wird nach erfoglreichem Abschluss ohne, oder mit wenig Erfahrung, in den Arbeitsmarkt entlassen. Er konnte sich in seiner Schulzeit kein berufliches Netzwerk erarbeiten und hat keine Möglichkeit von einem Ausbildungsbetrieb übernommen zu werden. In Folge dessen steigt die Jugendarbeitslosigkeit weiter. Einige sprechen gar von einer „verlorenen Generation“.

Das ein duales Ausbildungssystem der hohen Arbeitslosigkeit bei Jugendlichen ein Ende setzen kann, zeigt das Beispiel Portugal. Dort unterstützt die deutsche Industrie- und Handelskammer schon seit den achtziger Jahren mit Erfolg das duale System. Zusammen mit etwas Wirtschaftswachstum läuft man auf Erfolgskurs.

Auf dem kanarischen Archipel hat das Lehrmodell, lernen im Klassenzimmer mit praktischer Arbeit im Betrieb, bereits in einem Versuchslauf von einem Jahr Fuß gefasst. 28 Projekte dieser Art laufen, hauptsächlich in der Tourismusbranche, und sollen etwa 500 Auszubildenden gute Zukunftsaussichten bieten. Nun gilt es Unternehmen und Wirtschaft für diese Ausbildungsform zu sensibilisieren, damit ein guter Weg weiter ausgebaut werden kann.

Übrigens: Über die Auslandshandelskammer gibt es in Madrid und Barcelona mit der deutschen Auslandsberufsschule FEDA (Formación Empresarial Dual Alemana) seit 30 Jahren die Möglichkeit auf duale Ausbildung in den Bereichen Industrie, Spedition und Logistik. Über 1.500 Absolventen haben dank dieser Ausbildung bislang einen qualifizierten Arbeitsplatz und beachtliche Aufstiegschancen am internationalen Arbeitsmarkt erhalten. Auch eine spanischsprachige duale Ausbildung zum Verkäufer (Técnico en Comercio) mit spanischem und deutschem Abschluss ist dort möglich. Wer das nutzen möchte, sollte 18 bis 25 Jahre alt sein, gute Deutschkenntnisse (B2) und Abitur (Bachillerato) haben.

Ganz uneigennützig ist die Hilfe alerdings nicht. Es lohnt sich, weil deutsche Firmen und Werke dadurch Fachkräfte an ihren spanischen Standorten gewinnen und auf lange Sicht über Austauschprogramme vielleicht sogar Fachkräfte nach Deutschland holen können.

 

 

Über Graja (1703 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: http://la-palma-nachrichten.kanaren-urlaub.org/autoren-impressum/

2 Kommentare zu Duale Berufsausbildung auf den Kanaren

  1. Hartmut Jarosch // 12/03/2015 um 18:17 // Antworten

    Vielen Dank fuer Ihren interessanten Artikel. In der Tat fehlte eine Praxisorientierung in vielen Laendern im sogenannten „Blue Collar“ Segment bei jungen Menschen. Besonders im nicht-akademischen Bereich koennen dann viele Unternehmen nicht die ausgebildeten Arbeitnehmer am Arbeitsmarkt finden die sie benoetigen und besonders kleine und mittelstaendische Betriebe koennen sich oftmals eine kostenintensive Nachqualifizierung nicht leisten Hier hat sich die Duale Berufsausbildung nicht nur in Deutschland bewaehrt. Mich wuerde interessieren wie besonders auf La Palma die Arbeitgeber fuer diese Initiative begeistert und ueberzeugt werden koennen. Gibt es hier erste ggf. auch konzertierte Aktionen, vom Privatsektor, Bildungseinrichtungen und den staatlichen Stellen. Ich habe mir vor Kurzem eine Immobilie auf La Palma gekauft und wuerde es mehr als begruessen, wenn jungen Palmeros eine berufliche Zukunft auf der Insel angeboten werden koennte. Sollten junge Menschen weiterhin wegen einer beruflichen Perspektivlosigkeit abwandern, wird es immer mehr zu einer Vergreisung der Bevoelkerung kommen. Das sehen wir schon heute in Deutschland. Hier wuerde ich auch gerne persoenlich mit meinem Fachwissen unterstuetzen.
    Hartmut Jarosch, National Employment Pact (NEP) Aegypten

  2. Hartmut Jarosch // 13/03/2015 um 18:30 // Antworten

    Hier noch ein Nachtrag zu meiner e-mail von gestern:

    Gemeinsame Pressemitteilung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie, des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, des Bundesministeriums für Bildung und Forschung, der Beauftragten der Bundesregierung für Migration, Flüchtlinge und Integration, des Deutschen Gewerkschaftsbundes, des Deutschen Industrie- und Handelskammertages, der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände, des Bundesverbandes der Deutschen Industrie e.V., des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks, des Bundesverbandes der Freien Berufe, der Kultusministerkonferenz, der Wirtschaftsministerkonferenz, der Arbeits- und Sozialministerkonferenz und der Bundesagentur für Arbeit vom 13. März 2015

    _____________________________________________________________________________________________________________________

    Die Partner der neuen Allianz für Aus- und Weiterbildung begrüßen „Woche der Ausbildung 2015“ der Bundesagentur für Arbeit

    „Die Auszubildenden von heute sind die Fachkräfte von morgen“ – unter diesem Motto steht die diesjährige Woche der Ausbildung der Bundesagentur für Arbeit (BA). Vom 16. bis 20. März werben Regionaldirektionen, Arbeitsagenturen und Jobcenter auf regionaler Ebene für die duale Berufsausbildung, informieren über deren Chancen und Karrierewege.

    Die Kernbotschaft ist so simpel wie überzeugend: Ausbildung lohnt sich – für Betriebe und Jugendliche gleichermaßen. Unternehmen sichern sich mit einer betrieblichen Ausbildung frühzeitig künftige Fachkräfte, denn mehr denn je sind Betriebe auf qualifiziertes Personal angewiesen. Und den jungen Menschen eröffnen sich vielfältige Chancen für ihr Berufsleben. Es zahlt sich für sie auch langfristig aus: Wer sich in seinem Beruf gut auskennt und auch nach der Lehre durch Weiterbildung am Ball bleibt, kann es mit einem der 330 dualen Ausbildungsberufe weit bringen.

    Die Partner der neuen Allianz für Aus- und Weiterbildung sind sich einig: Berufsausbildung hat Zukunft. Sie zu stärken und noch attraktiver zu machen ist das gemeinsame Ziel von Bund, Wirtschaft, Gewerkschaften, Ländern und BA. „Wir wollen noch mehr Betriebe und junge Menschen von den Vorzügen einer Berufsausbildung überzeugen,“ so die Akteure der Allianz, „deshalb unterstützen wir die diesjährige Woche der Ausbildung der BA.“

    Informationen zum Hörfunkservice der Bundesagentur für Arbeit finden Sie im Internet unter http://www.ba-audio.de.

    ————————————————————————————————————–
    Eine Gesamtübersicht der bisher erschienenen Presseinformationen
    der Bundesagentur für Arbeit finden Sie im Internet unter

    http://www.arbeitsagentur.de/web/content/DE/Presse/Presseinformationen/index.htm

Kommentar hinterlassen

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*