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Die Cohiba der Kanaren

Handgerollte Zigarren aus La Palma.

La Palma gilt noch immer als Geheimtipp unter Zigarrenliebhabern. Die Puros, wie man Zigarren hier nennt, werden vom spanischen König geschätzt, Kenner bezeichnen die handgerollte Puro aus La Palma manchmal besser als eine cubanische Cohiba. Nicht ohne Grund.

Geschichte einer Tradition.

Als Folge der wirtschaftlichen Probleme auf unserer kleinen Insel, kam es zu einer Auswanderungswelle nach Kuba. Viele dieser Emigranten fanden Arbeit bei kubanischen Zigarrenherstellern und erlernten so die Herstellung erstklassiger Tabake. Nach der kubanischen Revolution kehrten sie nach La Palma zurĂĽck, begannen Tabak anzubauen und kreirten so Anfang des 19. Jahrhunderts den Mythos der handgemachten Puros. Hilfe erhielten sie dabei von den Passatwinden.

Dieser Nordostpassat hat es mit seiner warmen Feuchte ermöglicht, in den Feldern von La Breña und der Caldera einen einzigartigen Tabak anzubauen. Dieser Tabak macht aber noch keine einzigartige Zigarre.

 

Das Besondere an der Palmerischen Puro ist die Mischung.

Über Jahrzehnte haben unsere Manufakturen ihre Handwerkskunst verfeinert, nutzen neben Tabak aus den Breñas auch Tabake aus Kuba, Honduras oder Brasilien.

Genau diese Mischung ist es, was die Handgerollte Puro zu einer besonderen Zigarre macht und Liebhaber zum Schwärmen bringt.

Heute gibt es noch etwa 20 Familien die nach alter Rezeptur Puros in Handarbeit herstellen. Ihre Produkte können sie in Bars, Tabakgeschäften, Supermärkten, Souvenirläden, vor allem aber auch beim Hersteller direkt kaufen.

 

Schauen Sie den Spezialisten einmal über die Schulter und entdecken Sie das Geheimnis der Puro. Bei den Produktionsstätten der Zigarrendreher in Breña Alta, Breña Baja sind Gäste willkommen.

Puro hecho a mano.

Die Puro besteht im wesentlichen aus 3 Teilen:

Die Tabakeinlage: Sie gibt das Aroma einer Zigarre. Eine Mischung aus Tabakblättern, jede Manufaktur hat ihre eigene, geheime Zusammensetzung.

Das Umblatt: Es umschlieĂźt die Einlage und bestimmt das Abbrennverhalten der Zigarre.

Das Deckblatt: Es ist die äußerste Schicht der Zigarre und besteht aus speziellen Tabakblättern, die der Zigarre Aussehen, Farbe und ein spezielles Aroma geben.

 

Den Ausschlag für eine gute Zigarre gibt der Torcedor, (Zigarrendreher), der die Zigarren in ihre endgültige Form rollt und dabei vorsortierte Blätter für Deckblatt, Umblatt und Einlage nutzt. Er nimmt von den drei Stapeln für die Einlageanteile jeweils einen bestimmten Anteil eines Blattes, legt es zusammen und rollt sie auf dem Tisch zu einem zylindrischen Wickel.

Dann nimmt er ein passend zurecht geschnittenes Umblatt an das weiter keine Ansprüche gestellt werden, außer das es die Einlage gut zusammenhalten muss und umwickelt damit die Einlageblätter. Wird hier etwas falsch gemacht, führt dieser Fehler zu einem Manko, das häufige zu beklagen ist, die Zigarren ziehen schlecht und brennen ungleichmäßig ab. Das ist auf schlechte Verteilung der Einlageteile und falsche Wicklung zurückzuführen. Ein Fehler, der dem geübten Torcedor selten passiert.

Umblatt und Einlage zusammen ergeben somit eine Puppe, die dann in einer Holzform gepresst wird, um die zylindrische oder auch torpedoartige Form zu bekommen. Danach werden sie mit dem Deckblatt, von Brandende zum MundstĂĽck hin gewickelt und das Mundende wird mit einem kleinen StĂĽck des Deckblatttabaks verklebt.

Das Deckblatt ist, was man von einer Zigarre als erstes wahrnimmt. Deshalb gibt es bei maschinell hergestellten Zigarren sogenannte Pudermaschinen mit denen auf das Deckblatt eine gleichmäßig gefärbte Schicht bekommt um ein absolut gleiches Aussehen zu haben.

Das Deckblatt einer hochwertigen handgerollten Puro hingegen ist auf natürliche Weise für das Auge ansprechend und keine Puro gleicht der andern. An diesen kleinen Abweichungen in Farbe und Glanz erkennen sie die “Echte Puro Palmero”.

 

 

Die Qual der (Zigarren) Wahl

Es ist gar nicht so einfach die richtige Zigarre zu finden.
Einerseits kann jedem Raucher die gleiche Zigarre vollkommen anders schmecken. Andererseits ist der Anlass entscheidend für die Wahl der „richtigen“ Zigarre. Man sollte auch nicht vergessen, dass Zigarren ein handgemachtes Naturprodukt sind, also natürlichen Schwankungen unterliegen. Und deshalb kann man jedem Anfänger empfehlen: probieren, probieren, probieren!

 

 

Dunkle Zigarren sind stärker als Helle?

Eine falsche Annahme! Für Stärke und Aroma ist die Tabakmischung, nicht das Deckblatt verantwortlich. Als allgemeine Faustregel gilt, dickere Zigarren haben mehr Aroma und entwickeln mehr Volumen als dünnere Exemplare. Außerdem brennen sie im Normalfall gleichmäßiger ab. Schlanke Formate neigen eher dazu schneller heiß und scharf im Geschmack zu werden.

 

Man braucht alle Sinne um die richtige Zigarre zu finden.
Das Deckblatt sollte einen angenehmen Anblick bieten. Manche bevorzugen einen hellen Farbton, oder einen dunkleren und reiferen, auf jeden Fall sollte das Deckblatt der Zigarre von einheitlicher Farbe sein und einen leichten Glanz zeigen. Tasten Sie die Zigarre zart ab, sie sollte sich fest, aber nicht hart anfühlen. Genießen Sie den Geruch, die Aromen, die ausströmen, geben einen Vorgeschmack auf das, was Sie bald genießen werden. Den tatsächlichen Geschmack einer Zigarre kann man nur beim rauchen beurteilen. Beginnen Sie mit einer der weniger kräftigeren Sorte, denn viele Zigarren entwickeln erst in der zweiten Hälfte ihr volles Aroma.

 

Die wichtigsten Zigarrenformate und Größenunterschiede

Especiales – Länge von 23 bis 24 cm Durchmesser von ca. 2 cm sind dies wahrhaft königliche Zigarren.

Churchill – 17 bis 19 cm lang, bei einem Durchmesser von 1,7 bis 1,9 cm

Presidentes – Format Churchill mild, mit nussigem Aroma

Lonsdale – Sie sind kräftig im Geschmack, 15 cm lang und besitzen einen Durchmesser von 1,6 cm

Corona – Länge zwischen 14 und 15 cm und einem Durchmesser von 1,5 bis 1,7 cm.

Robusto – 12 cm kurz, bei einem Durchmesser von 2 cm sieht sie etwas gedrungen aus.

Figurados – das „Torpedo“-Format durch die Montecristo No 2 Maximal 11 cm lang und 1,6 cm dick

Panatelas – Mit 10 bis 17 cm Länge und Durchmesser von 1,4 cm eine elegante Frauenzigarre

Cremas – Format Corona mit mild, nussigem Aroma

 

Umgang mit Zigarren aus La Palma

Das Anschneiden
Handgemachte Zigarren müssen an ihrem geschlossenen Ende (dem Kopf) geöffnet werden. Es ist darauf zu achten, dass das Deckblatt nicht reist. Ideal sind etwa 3mm Abschnitt. Es sollte ein sauberer und gleichmäßiger Schnitt sein, er ist Voraussetzung dafür, dass die Puro richtig zieht. Es gibt hierfür einige technische Hilfsmittel von einfachen Taschenguillotinen bis zu teilweise schwierig zu handhabenden Zigarrenscheren. Man sollte niemals den ganzen Kopf entfernen, denn so ruiniert man das Deckblatt. Beißen sie das Ende einer Zigarre niemals ab.

 

Das AnzĂĽnden einer guten Zigarre.
Ein Akt von höchster Bedeutung, denn wie Sie eine Zigarre anzünden, beeinflusst ihren Geschmack und wie sie abbrennt. Entfernen sie als Erstes die Bauchbinde. Sie wurde 1844 eingeführt um die Zigarre vor Fälschungen zu schützen. Beachten sie das auch ein geschmeidiges Deckblatt dabei Schaden nehmen kann.

Zum Anzünden einer Zigarre kann man Streichhölzer und Gasfeuerzeuge verwenden. Empfohlen sind Zedernstreichhölzer, sie geben keinen Geschmack ab. Ein absolutes Tabu sind Benzinfeuerzeuge, Kerzen u.s.w. Wärmen Sie das Brandende einer Zigarre leicht an, bevor Sie beginnen. Halten sie Zigarre in einem Winkel von 45 Grad über die Flamme und drehen Sie sie langsam bis die gesamte Fläche des Endes gleichmäßig Asche zeigt. Richtig ist es, wenn die Flamme niemals die Zigarre berührt, weil sonst der Tabak verkohlt und Brandgeschmack in der Puro bleibt.

 

Das Rauchen einer Puro
Lassen sie sich also Zeit. Wenn der Brand gleichmäßig glüht, nehmen sie den ersten (langen) Zug. Vermeiden Sie den Zigarrenrauch zu inhalieren, sie rauchen keine Zigarette. Füllen sie einfach ihren Mund mit Rauch und lassen die Aromen wirken.

Am besten schmecken Zigarren, wenn sie langsam rauchen. Ziehen sie zu häufig, kann die Zigarre überhitzen was einen bitteren Geschmack erzeugt. Wenn sie sich Zeit lassen, kann manche Zigarre bis zu 40 Minuten brennen. Geht sie einmal aus, macht nichts, erwecken wir sie wieder zum Leben. Es stellt kein Problem dar eine Puro erneut zu entzünden.

 

Das Löschen der Zigarre.
Eine Zigarre verbrennt nicht vollständig und muß nicht, wie eine Zigarette ausgedrückt werden. Im letzten Drittel wird die Glut von allein schwächer und verglimmt. Liegt sie in einem Aschenbecher, geht sie nach kurzer Zeit aus.

 

DIE RICHTIGE LAGERUNG EINER GUTEN ZIGARRE.
Eine richtige Aufbewahrung der Puros trägt zum guten Raucherlebnis bei. Da Puros rein pflanzlich sind, müssen Bedingungen wie beim Heranwachsen und der Verarbeitung geschaffen werden. Sie sollten an einem dunklen Ort mit geringen Schwankungen von Temperatur und Feuchtigkeit gelagert werden. Die Temperatur sollte zwischen 16 bis 18° Celsius und 70 bis 72 % Luftfeuchtigkeit liegen.

Die beste Lösung ist ein Humidor. Kanarische Zigarren trocknen bei unsachgemäßer Lagerung binnen Monatsfrist vollständig aus, sind dann noch „rauchbar“, aber hinsichtlich ihrer sensorischen Werte für immer verloren. Man hält sie also „feucht“, im Sinne des Wortes „relativ“. Sehr gut geeignet ist ein Humedor aus Zedernholz.

 

Vielleicht besuchen sie ja einmal das Zigarrenmuseum in San Pedro. Es befindet sich auf der “Plaza de Los Alamos” am nördlichen Ortseingang in der Gemeinde Breña Alta und vermittelt eindrucksvoll alle Facetten der Geschichte des Tabaks und Kunst der Zigarrenherstellung.

Hier noch einige Links rund um die Puro aus La Palma.
Puros Julio Artesanos
Puros Palmero
Finca El Sitio

Über Graja (1731 Artikel)
Details zu den Autoren im Impressum unter: http://la-palma-nachrichten.kanaren-urlaub.org/autoren-impressum/

1 Kommentar zu Die Cohiba der Kanaren

  1. Wie können Emigranten, die nach der kubanischen Revolution (1959)zurückkehrten,Anfang des 19.Jahrhunderts den Mythos der palmerischen Puros begründen????

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